Ungarndeutsche

Schon im Mittelalter wanderten Deutsche nach Ungarn ein. Die erste Königin, Gisela, stammte aus Bayern. Von dort kamen im 18. Jh. Hunderttausende über die Donau stromabwärts ins „gelobte Land". Die Ungarndeutschen haben seither einen wesentlichen Beitrag zur ungarischen Kultur geleistet.

In Deutschland werden die Nachfahren der Einwanderer oftmals pauschal als „Donauschwaben" bezeichnet. Die größten Siedlungsgebiete der Ungarndeutschen befinden sich heute im Südwesten, rund um Pécs (Fünfkirchen) und Villány (Wieland), sowie westlich der Hauptstadt Budapest. Die Familie des ehemaligen deutschen Außenministers Joschka Fischer stammt zum Beispiel aus Budakeszi, wo noch jetzt Verwandte von Fischer wohnen.

Im 18. Jh. drängte die wirtschaftliche Not viele Menschen in Süddeutschland zur Auswanderung. Die Anwerber von Kaiserin Maria Theresia versprachen paradiesische Zustände, doch der Aufbau einer lebensfähigen Grundlage erwies sich für die Ungarndeutschen als sehr hartes Brot. Nach den Verwüstungen der Türkenkriege war das Land in weiten Teilen verwüstet.

Die deutschen Einwanderer gründeten eigene Dörfer, schon bald galt die Gegend um Pécs als „schwäbische Türkei". In manchen Städten, wie in Pest, waren die Ungarndeutschen lange Zeit sogar in der Mehrheit. Rund 10% der Gesamtbevölkerung gehörten schließlich der deutschen Minderheit an.

Einen schweren Einschnitt bedeutete der Zweite Weltkrieg: viele junge Männer wurden zur Armee eingezogen, nach dem Krieg folgte für viele Ungarndeutsche die Aussiedlung nach Deutschland. Heute leben noch ca. 200 000 Ungarndeutsche im Karpatenbecken.

Seit der Wende 1989/90 hat die Kultur der Ungarndeutschen wieder einen festen Platz im gesellschaftlichen Leben: Deutsche Zeitungen erscheinen in Budapest und am Balaton, zweisprachige Schulen ermöglichen deutsche Schulabschlüsse, Selbstverwaltungen regeln die Belange der Minderheit. Auch kulturell sind die Ungarndeutschen sehr aktiv: In Szekszárd ist zum Beispiel ein deutschsprachiges Theater aktiv, während in Budaörs die Passionstradition wiederbelebt wurde. Zudem verleiht eine neue kleine Einwanderungswelle nach Budapest und in den Westen Ungarns der alteingesessenen Minderheit der Ungarndeutschen neue Zukunftsperspektiven.