Puszta-Fünfer

Das ungarische Volk ist zum Reiten wie geschaffen - hält der Spruch und dies stimmt auch. Das Leben unserer Vorfahren hing von den Pferden ab, da die fachgemäße Zucht und Pflege der Pferde eine unerlässliche Bedingung der nomadischen wandernden Lebensweise war. Die Liebe der Ungarn zu den Pferden beweist auch der Reichtum des mit Pferden zusammenhängenden Wortschatzes; so wird die Farbe z.B. mit dreihundert Ausdrücken beschrieben. Die zwei meist bekannten "Attraktionen" der besonders reichen Pferdetradition sind heute fast zum Symbol geworden: der Csikós (Pferdehirt) und der Puszta-Fünfer.

Csikós
Jahrhunderte lang wurde das Gestüt auf der großen ungarischen Tiefebene, der Puszta unter freiem Himmel gehalten. Heutzutage findet man diese Art der Tierhaltung nur an zwei Orten: Hortobágy und Bugac, wo die Pferdehirten sowohl in ihrer Kleidung als auch in ihren Werkzeugen die Traditionen bewahren. Sie benutzen charakteristisches Pferdegeschirr: eine Art Sattel ohne Gurt, ungarisch "patrac" genannt; zum Antreiben fertigen sie selbst verzierte knallende Peitschen an. Die wichtigsten Partner der Pferdehirten sind ihre Reitpferde, welchen sei vieles beibringen. Das Legen der Pferde war bei pfeifendem Wind um im Falle von Angreifern auf der Puszta für Pferd und Hirt eine nützliche Methode.

Puszta-Fünfer
Ein Symbol ungarischer Reitervorführungen ist der Fünfergespann ungarischen Stils, der die Romantik der Puszta heraufbeschwört und als "Koch-Fünfer","Puszta-Fünfer" oder "Ungarische Post" bezeichnet wird. Der Csikós steht auf dem Rücken der beiden hinteren Pferde und lenkt so das Gespann. Man glaubte, diese als unausführbar scheinende Bravour hätte bloß der österreichische Maler Ludwig Koch 1923 geträumt. Der hervorragende ungarische Reiter Béla Lénárd erweckte das Bild zum Leben. Viele Jahre wagte sich niemand, Béla Lénárd zu folgen. Er selbst erfand von Jahr zu Jahr neue Produktionen: er trieb 7, 7, 9 und schließlich elf Pferde.

Unlängst kam beim Durchsuchen alter Lithographien ein großformatiges Zirkusplakat mit folgender Aufschrift zum Vorschein:"Die Ungarische Post von Pál Cuzen (abgebildet von Zellenberg 1845.)" Auf dem Manegebild steht ein Pferdehirt mit Peitsche auf den zwei hinteren Pferden eines aus neun Tieren bestehenden typisch ungarischen Gespanns.

Der Puszta-Fünfer ist aber - im wahren Sinne des Wortes - keine Zirkusproduktion. Darin steckt viel mehr. Hier liegt die Betonung auf der Dressur, weil bei solch einer Geschwindigkeit der Reiter nur auf gut trainierten Pferden seinen Einfluss ausüben kann. Eine wahre Reiterbravour ist die "Csikós-Post" in diesem rasenden Tempo!