Donauschwaben

Gastronomie und Weinbautradition der Donauschwaben in Ungarn.

Essen in Ungarn „wie bei Muttern"- die schwäbisch orientierte Gastronomie in Ungarn lebt noch heute fort und die Erfahrung und Weinbautradition der ungarndeutschen Weinbauern bringt prämierte Weine der Spitzenklasse hervor!

Bekanntermaßen ist Ungarn seit 1000 Jahren das Heimatland vieler Völker. Die größte Sprachinsel ist die sogenannte Schwäbische Türkei in Südwestungarn, in der die schwäbische Gastronomie und viele Brauchtümer noch heute gepflegt werden. Diese Ungarndeutschen oder auch Donauschwaben bewahren bis heute Ihre Traditionen und Rezepte, allerdings unter dem Einfluss der ungarischen Umgebung, zu der auch der Gewürzpaprika gehört. Das Mehl steht an erster Stelle bei der Herstellung von Speisen, demnach gehören zu den typischen Gerichten Nockerln, Knödel, Nudeln und auch Hefegebäck. Viele Zutaten stammen aus dem eigenen Anbau, wie auch Bohnen, Kraut und Kartoffeln.

Maria Theresia, geb. am 13. Mai 1717, ließ das Land im 18. Jahrhundert weiter besiedeln und kultivieren, das vorher von der Türkei beherrscht und weitestgehend verwüstet wurde. Die neuen Bewohner waren unter anderem deutsche Weinbauern aus der Gegend um Fulda, die sich am Donauhafen Ulm einschifften und über den blauen Fluss nach Südwestungarn gelangten. Bis heute sind 90 % aller Bewohner Winzer oder verfügen über einen eigenen Weinkeller. Früher gehörten die Rebgärten vorwiegend den Klöstern und dem Adel und weniger den privaten Winzern, dies hat sich seit 1945 geändert und heute gehören Winzer aus Südwestungarn sogar zu den aufsteigenden Winzern weltweit.

Villány heißt das Dorf, das dem bekannten Weinbaugebiet den Namen gab und heute als das bedeutendste Rotweingebiet Ungarns gilt. In Siklós werden aber auch Weißweine angeboten, die unter Experten und Konsumenten ebenfalls als herausragende Weine gelten. Villány-Siklós ist die erste ungarische Weinstraße und die Villányer Weine wurden als erste Weinsorte Ungarns mit dem Etikett „Weine geschützter Herkunft" zertifiziert. Das strenge Qualitätssystem wird unter dem Titel „Districtus Hungaricus Controllatus (DHC Villány)" zusammengefasst und bezieht sich auf ein bestimmtes Anbaugebiet und Regelwerk. Die „Ungarische Zeitlose", die an den sonnenverwöhnten Südhängen des Szársomlyó-Berges wächst, ist die Schutzmarke der Villányer Weine. Nur solche Weine, die den Anforderungen des DHC Villány-Regelwerkes entsprechen und zusätzlich von der Weinkommission als „Villányi classicus" oder als „Villányi prémium" klassifiziert werden, sind berechtigt, die Schutzmarke mit der Ungarischen Zeitlosen zu tragen.

Der Kadarka, der Portugieser oder der Schillerwein, eine dunklere Variante des Rosé, gehören ebenfalls zu dieser Weinregion, die ihre Traditionen immer fort entwickelt nach den höchsten Ansprüchen der modernen Technologie.

Die Kellergassen von Palkonya, Villánykövesd, Villány, Nagyharsány und Kisharsány stehen unter Denkmalschutz. Die verstreuten Keller und Presshäuser in den Anbaugebieten um Siklós herum sind heute beliebte Orte mit hoher Gastfreundlichkeit.

Die örtlichen Winzer gewinnen auf regionalen, nationalen und auch internationalen Weinwettbewerben regelmäßig Preise. Bis jetzt wurden außerdem sechs Villányer Weinerzeuger bzw. Weingüter mit den ungarischen Preisen „Winzer des Jahres" und „Weingut des Jahres" ausgezeichnet. Hierzu gehören das Weingut „Gere", eine Koryphäe im Weinanbau und bereits 1994 als Winzer des Jahres ausgezeichnet. Sein Cabernet Franc ist ein besonderes Gaumenerlebnis. Im Restaurant Mandula  wird zum eigenen Wein gekocht. Eine wichtige Mission des Restaurants ist es, in den Speisen den schwäbischen Geschmack und die Traditionen der Region Baranya aufzubewahren. Mehr Informationen: etterem.gere.hu .

Ede Tiffán, der erste Winzer des Jahres, ist seit 50 Jahren im Weinanbau tätig. Er hat deswegen bereits sein goldenes Diplom erhalten. Das Weingut wird sein Enkel, Zsolt Tiffán übernehmen.

Auch wenn sich mit den Jahren die Lebensweise der Ungarndeutschen verändert und immer mehr angepasst hat, so sind in der heutigen Küche in dieser Gegend in Ungarn doch noch viele typische Gerichte zu finden wie Strudel, Hefeknödel, Krauthefeknödel, die gerne bei lokalen Veranstaltungen angeboten werden. Ein besonderes Highlight ist das Stiffulderfest im Juni in Feked, bei dem die gleichnamige scharfe Paprikawurst gefeiert wird. Es findet ein Wettbewerb statt, welcher Teilnehmer die beste Wurst nach eigenem Hausrezept herstellt. Diese Wurst aus Schweinefleisch, Paprika und Knoblauch gilt als eine Delikatesse. Namensgeber der „Stiffulder" ist das Stift Fulda, ein Gebiet, aus dem viele Einwanderer aus Deutschland stammen. In Geresdlak, 20 Kilometer von Feked entfernt, steht im Oktober das Hefeknödelfestival auf dem Programm, denn traditionell war hier am Freitag früher in den katholischen ungarndeutschen Familien „Knödeltag". Der Teig wird in Öl gebacken, kurz angebraten und zusammen mit dicken Bohnen auf dem Teller angerichtet.

Tipp für Wohnmobilfahrer

Die Anlage Bocor Fogadó in Kisharsány, nur 10 Kilometer von Villány entfernt, verfügt über Stellplätze für Camper und ist auf deutsche Wohnmobilfahrer eingestellt. Die Wohnhäuser gleichen einem schwäbischen Bauernhaus. Die moderne Anlage verfügt über 9 Doppelzimmer und 4 Appartements sowie einen eigenen Campingplatz mit Stellplätzen für Wohnmobile. Das 2,5 Hektar große Gebiet stellt den Gästen einen Grillplatz, eine Feuerstelle und ein Ofen zum Zubereiten der Speisen zur Verfügung. Ein Tennis- und Volleyballplatz, ein kleiner Wellnessbereich und 3 unterschiedliche Jacuzzis runden das Erholungsangebot ab. Im „Erholungsheim" der Anlage werden die eigenen Weine verkostet. Außerdem bieten die Besitzer Aktivprogramme von Radtouren bis zu Kanufahrten auf der Drau an. Mehr Informationen: bocorfogado.hu

Bildquelle: Palkonya Kellerdorf. Fotograf Károly Csonka