Besonderheiten der Kuren in Ungarn

Heilkraft der Natur

Heilkraft des Thermalwassers:

Seit fast 2000 Jahren nutzt der Mensch die Heilkraft des Wassers. Durch ein komplexes Zusammenspiel (Temperatur, Druck, Auftrieb und chemische Reaktionen) der im Wasser gelösten und durch Haut, Magen oder Atemwege in den Organismus gelangenden Stoffe entsteht die heilende Wirkung. Die während einer Badekur im Körper aufgenommenen Mineralstoffe und Spurenelemente beseitigen oder lindern Beschwerden nachhaltiger und langfristiger als Medikamente.

Man kennt
kohlensäurehaltiges (saures) Wasser mit einer bestimmten Menge an freiem Kohlendioxid, das bei Herz-, Kreislauf- und Gefäßerkrankungen angewendet wird, alkalisches Wasser mit Natrium- und Hydrogenkarbonat, für Trinkkuren etwa bei Gastritis,
erdalkalisches Wasser mit einem hohen Gehalt an Kalzium und Magnesium bei Erkrankungen des Bewegungsapparates und Stoffwechselbeschwerden,
kochsalzhaltiges Wasser basiert auf Chlorsalzen, Anwendung als Trinkkur bei Mangel an Magensäure,
Bittersalzwasser hat viele gebundene Sulfationen, Anwendung bei Dickdarmproblemen und chronischer Verstopfung,
schwefelhaltiges Wasser erhöht als Trinkkur den Vitamin-C-Gehalt im Blut, wird als Badekur bei Beschwerden des Bewegungsapparates und bei Pilzerkrankungen empfohlen,
eisenhaltiges Wasser als Trinkkur bei Anämie und zur Kräftigung nach Operationen,
jodhaltiges Wasser mit hohem Kochsalzanteil zur Behandlung von Schilddrüsenunterfunktion (Kropf, Struma) und Arteriosklerose,
radioaktives Wasser mit einer bestimmten Radonionen-Konzentration wird zur Inhalation, als Trink- oder als Badekur bei Gefäßkrankheiten, Gicht, Diabetes, Unfruchtbarkeit, Rheuma und neurologischen Beschwerden angewendet.

Aktuelle medizinische Studien
Hajdúszoboszló
Harkány

Heilkraft in den Höhlenkurorten

In Ungarn gibt es Höhlenkurorte, in denen die mit Mineralstoffen angereicherte Luft und das besondere Mikroklima heilend wirken. Wasser und Luft werden auch zusammen angewendet, wie etwa im Höhlenbad von Miskolc-Tapolca. Insbesondere die Karstgebiete im Nordosten des Landes und die vulkanischen Höhlensysteme am Nordufer des Balaton, zum Beispiel bei Tapolca, werden für eine erfolgreiche Behandlung von Atmungs-, Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen empfohlen.

Die Heilkraft des Kohlendioxidbades

Im nordungarischen Kurort Mátraderecske befindet sich die "Mofette", Ungarns einziges Kohlendioxid-Trockenbad.

Badetradition

"Balnea salus – im Bade ist Heil" sagten die Römer. Schon früh erkannten und nutzten sie die heilende Wirkung der pannonischen Thermalquellen, wie Zeugnisse aus dieser Zeit belegen. Die Türken haben den Grundstein für die seit Jahrhunderten andauernde Erfolgsgeschichte der ungarischen Heilbäder und der Badekultur gelegt. Die erste wissenschaftlich relevante Beschreibung einiger Quellen stammt übrigens aus dem Jahre 1512. Einige der prunkvollen Bäder aus der damaligen Zeit existieren noch heute, die prächtige orientalische Architektur und der Luxus der mittelalterlichen Badehauskultur sind bemerkenswert. Das Bad war einst, wie auch schon bei den Römern, nicht nur Stätte der Reinigung, sondern ein Ort des Wohlbefindens und der Geselligkeit. Das Rudas-Bad in Budapest wurde 1550 von Pascha Mustafa errichtet, die achteckige Schwimmhalle mit der zehn Meter hohen Kuppel ist wie zur Zeit der Türkenherrschaft auch heute nur Männern vorbehalten. Aus der Mitte des 16. Jahrhunderts stammt auch das Király-Bad, das einstige Königsbad von Pascha Arslan, dessen Kuppeln architektonische Meisterwerke sind. Auch die im Herzen der malerischen Altstadt von Eger gelegene Badeanlage geht auf die osmanische Zeit zurück. Während Budapest und Eger schon im Mittelalter bekannte Kurorte waren, wurden die Quellen in der Provinz oft durch Zufall bei Bohrarbeiten erst ab Mitte des 18. Jahrhunderts erschlossen. Zu den ältesten Bädern gehört das westungarische Hévíz, dessen 4,4 Hektar großer natürlicher Thermalsee der größte in der Welt ist. Ein Naturwunder pur!

Traditionelle Hévízer Heilmethode: Thermalwasser, Gewichtsbad, Schlammbad
+ Trinkkur, Massagen, Bewegungstherapien bzw. Physio- und die Hydrotherapie

Die Heilwirkung der Hévízer Badekultur ist europaweit legendär und zieht Massen von Menschen an, die gesund werden möchten, zum westlichen Zipfel des Balatons. Hier werden jährlich mehr als eine Million Nächtigungen gezählt. Die Schutzmarke „Traditionelle Hévízer Heilmethode" wurde 2015 ins Leben gerufen wurde, da das allererste Badehaus auf dem Thermalsee genau vor 220 Jahren errichtet wurde. Im Laufe der zwei Jahrhunderte wurde die Traditionelle Hévízer Heilmethode schlicht zu einer Brand. Neben dem Baden im Thermalwasser sind auch das Schlammbad sowie das Gewichtsbad die Grundpfeiler der Traditionellen Hévízer Heilmethode. Als ergänzende Behandlung ist auch das Trinken des Heilwassers aus dem Trinkbrunnen ein Teil der Genesung, genauso wie die Massagen, die Bewegungstherapien bzw. die Physio- und die Hydrotherapie.
Mit der Heilmethode werden Patienten mit chronisch-entzündlichen bzw. degenerativen Erkrankungen der Wirbelsäule und des Bewegungsapparates behandelt. Im Normalfall beträgt die Dauer der Therapie zwei Wochen. Mehr unter badheviz.de

Schönste Kulissen

Wenn die Bäder aus der Römerzeit nicht mehr genossen werden können, so können sich die Badegäste die Freuden der Genesung im türkischen Bad aus dem 16. Jahrhundert gönnen, das in seinem ursprünglichen Zustand erneuert wurde. Wenn man sich nach fürstlichem Luxus sehnt, kann man eines der in den Schlössern errichteten Wellnesshotels besuchen.

Auf dem Gebiet von Budapest haben die Archäologen bisher 21 Bäder aus der Römerzeit entdeckt, das größte unter ihnen befindet sich auf dem Gebiet des heutigen Altofens/Óbuda, inAquincum.

Das Osmanische Reich hinterließ jedoch eine großartige Bäderkultur in Ungarn, die bis zu unseren Tagen benutzt werden können. Die 150 Jahre lang hier stationierten türkischen Truppen haben zahlreiche Bäder gebaut (z. B. dasRudas-Bad in Budapest, sowie das Bad in Eger/Nordungarn, das für Touristen geöffnet ist), so kann man in den Bädern aus dem 16. Jahrhundert unter modernen Umständen einen Hauch der Vergangenheit erleben.

Unter den wunderschönen Bädern der Jahrhundertwende sind das Széchenyi- und Gellért-Bad hervorzuheben, die bis heute als die elegantesten Bäder von Budapest gelten. Das Széchenyi-Bad ist einer der größten Badekomplexe in Europa sowie das erste Heilbad von Pest, das im Jahre 1874 seine Tore öffnete. Das Bad wurde 1999 völlig erneuert und mit einem Erlebnisbad ergänzt, doch die Traditionen wurden aufbewahrt, so kann man zum Beispiel bis heute in den Becken Schach spielen. Das weltweit bekannte und von den ausländischen Gästen sehr beliebte, im Jugendstil gebaute Gellért-Heilbad und Hotel öffnete im Jahre 1918 seine Tore, dann wurde es 1927 mit einem Wellenbad und im Jahre 1934 mit einem Sprudelbad erweitert, welche auch seither nicht nur unter den Einwohnern von Budapest beliebt sind.

Immer mehr alte Schlösser werden renoviert und zu Wellness-Hotels umgebaut, die Gäste mit hohen Ansprüchen erwarten. Unter ihnen zeichnen sich diejenigen aus, die sämtliche Dienstleistungen der gesundheitsbewussten und regenerierenden Erholungsmöglichkeiten anbieten. In denSchlosshotels von Hőgyész, Bikal, Hertelendy, Röjtökmuzsaj und Tarcal können die Gäste den aristokratischen Lebensstil genießen und dabei die Wohlfühloasen benutzen.


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